Persoehnlich

Du redest pausenlos…

[…] ,,Du redest pausenlos… Fragst nicht wie es mir geht und was bei mir so passiert“ , schrieb sie. Monate nachdem wir uns das letzte Mal getroffen hatten. […] Dabei bin ich gar kein Mensch der nur von sich erzählt, sondern lieber der anderen zuhört. Ein komisches beklemmendes Gefühl überkommt mich, da diese Person mich anscheinend gar nicht kennt, obwohl man seit mehr als fünf Jahren befreundet ist. Sprachlos und unvorbereitet traf es mich. Mitten in die Brust. Jede:r andere weiß, dass ich eher zurückhaltender bin. Lasse erstmal andere reden bevor ich zu Wort komme. Wenn ich dann gefragt werde, was es neues gibt, und mich das richtig gefesselt hat, erfolgt kurz ein großer Schwall meiner Begeisterung oder Frust für maximale 30 Minuten. Des Öfteren werden dann doch noch zwischendurch andere Fragen gestellt und die Unterhaltung läuft gemeinsam, nicht einseitig.

Reden und Zuhören, austauschen und diskutieren genauso wie schweigen. ,,So bist Du doch gar nicht. Wir kennen uns auch erst nicht seit gestern. Wieso hat sie das zu dem Zeitpunkt nicht einfach gesagt, dass es sie stört?“, erwiderte eine gute Freundin paar Tage später am Telefon, als ich Ihr davon erzählte. ,,Ich verstehe es auch nicht.“ Weshalb ich mich auch jetzt nochmal mit diesem Thema auseinander setze, da es mich doch noch irgendwie beschäftigt und nicht loslässt. 

Manchmal nehmen wir Personen ganz anders wahr. Wie sie sind, wie sie sich geben und aussehen. Tatsächlich bin ich meist die erste auf der Arbeit, der Veränderungen an Personen auffallen. Bewusste Wahrnehmung.

Wie kann jemand einen so falsch einschätzen? An dieses Gespräch konnte ich mich sehr gut dran erinnern, denn ich habe mein Herz ausgeschüttet, da ich eine nicht so gute Zeit hatte, die mich belastete und ich einfach nur Rat brauchte. Gedanken wie: ,,Habe ich mich zu sehr geöffnet?“ ,,Habe ich mich verletzlich gemacht um dann doch wieder enttäuscht zu werden?“ 

Je öfter man enttäuscht und verletzt wird, baut man innerlich dann doch einen Schutzwall auf. Mit größter Wahrscheinlichkeit liegt es aber auch einfach an der Großstadt. Oberflächlichkeiten zählen hier mehr als die inneren Werte. Zweckgebundene Freundschaften. Tiefere und intensive Gespräche sind fehl am Platz. Auch jetzt wo ich es nochmal versuchen wollte, wurde man wieder enttäuscht. Daher ist jetzt die Bahnstation gekommen um auszusteigen. Auch wenn es sich wie Blei an den Füßen anfühlt sosehr ist es auch befreiend jetzt Lebewohl zu sagen. Die guten Zeiten, die man gemeinsam verbracht haben bleiben. Mehr auch nicht.

Nächster Halt: Abschied. Bitte nehmen Sie Ihr Gepäck mit und versichern Sie sich, dass auch nichts liegen geblieben ist im Wagon. Hallo neuer Ort.

 

 

 

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